wine - just a drink

Matt Skinner meint: “Gewürztraminer ist einer der krassesten Typen unter den Trauben. Ein Transvestit mir viel Makeup“ und über Sommeliers sagt er: „Sie wissen nicht alles, glauben Sie mir.“ Bevor Sie jetzt denken: Toll, ein Buch von so einem schnoddrigem Jungen kann mir gestohlen bleiben, lesen Sie weiter.
Der Australier Matt Skinner ist hierzulande weniger bekannt. Es sein denn, man schaut regelmäßig die Kochsendung von Jamie Oliver. So fehlt auch dessen Huldigung an den Weinfachmann nicht auf dem Cover und es drängt sich der Verdacht auf, hier soll auf der Jamie Oliver-Welle mit geritten werden. Aber die beiden haben tatsächlich vieles gemeinsam (z.b. die Ausdrucksweise). Warum also nicht darauf hinweisen?
Wie ein gut gemachtes Boulevardblatt
Da wo andere Weinbücher bei einem Dessertwein das vibrierende Spiel der Aromen und dessen Samtigkeit preisen, sagt Matt: „Süße Weine erinnern mich an Schlagzeuger. Sie sind technisch grandios, werden aber kaum beachtet. Die Lorbeeren ernten die anderen in der Band. Und so wie der Schlagzeuger immer ganz hinten sitzt, findet man die Dessertweine in der Weinkarte auch immer ganz am Ende.“ Wer sich an solchen Vergleichen stört oder meint, die Sprache sei dem edlen Produkt gegenüber nicht angemessen und zu sehr boulevardblattmäßig, wird das Buch wohl schnell zur Seite legen. Wer aber auf hochgestochene und blumige Sprache verzichten kann, hat mit „Wine- just a drink“ (in Original übrigens „thirsty work“) sicher seine Freude.
Interessantes auf den Punkt gebracht
Der Aufbau des „Buches über Wein“ ist traditionell: Man erfährt etwas zur Geschichte und Erzeugung von Wein und liest Spannendes über die Besonderheiten der wichtigsten Weinanbaugebiete. Selbstverständlich fehlt auch der Abschnitt zur Weinprobe (schmecken, darüber reden) nicht. Ein Kapitel zum Weinanbau vermittelt zudem Interessantes zu dem Thema. Und auch hier wieder: Statt ausladend auf die speziellen klimatischen Gegebenheiten von Nord- und Südhalbkugel einzugehen, bringt Matt den Unterschied von Weinen der beiden Halbkugeln auf die simple Formel „Südhalbkugel = mehr Sonne = mehr Frucht + höherer Zuckergehalt = weniger Säure + mehr Alkoholgehalt“. Das kann man sich doch endlich mal merken!
Die Bebilderung – Traditionelles und Neues
Bei der Bebilderung des Buches ist man einen Mittelweg gegangen. Die traditionellen Bilder schöner Trauben und ansprechender Bilder aus den Weinbergen fehlen nicht. Ganz hübsch auch die fotografischen Hinweise zu den Aromen der verschiedenen Rebsorten. So finden sich Bilder von Kirschen, Tabak und Pfeffermühlen. Ungewöhnlich für ein Weinbuch sind allerdings Schwarz-Weiß-Bilder oder auch die Verwendung von Kontaktabzügen, auf denen die Perforation des Filmes zu sehen ist.
Wine-just a drink ist kein Buch für den fortgeschrittenen Weinliebhaber. Es ist allerdings das einzige mir bekannte Werk, das es fertig bringen könnte, einen passionierten Biertrinker dazu zu bringen, sich einmal dem Wein zuzuwenden.
 "wine - just a drink" kann beim DLG-Verlag online bestellt werden.
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(ki) 
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