"Eiswein" – Was tun, wenn die Weinlieferung gefroren ist?

Draußen sind es -12°C, es klingelt an der Tür und die vor 3 Tagen bestellte Weinlieferung kommt. Voller Vorfreude über die Gaumenfreuden in spe öffnen Sie das Paket und stellen fest, dass der Wein im Bereich des Flaschenhalses gefroren ist. Und nun?
Was passiert, wenn Wein friert?
Zunächst einmal stellt sich die Frage, ob es denn nun überhaupt so dramatisch ist, wenn Wein friert. Ist es, wissen die Experten! Klaus Rufli von der DLG:“ Es muss auf alle Fälle vermieden werden, dass der Wein gefriert. Die dann ausfallenden weineigenen Eiweiße führen alleine oder zusammen mit Polyphenolen zu Trübungen."
Auch wird das physikalische Gleichgewicht der 'alkoholischen Lösung' Wein gestört: Der Mineralstoff-Haushalt gerät durcheinander, da der Lösungskoeffizient von z. B. Kalium temperaturabhängig ist fällt ungewollt Weinstein aus. Dadurch sinkt wiederum der Säuregehalt im Wein.
Auch vermindert sich bei gefrorenem Wein der zuckerfreie Extrakt. Der Wein schmeckt dadurch milder und ist weniger prägnant. 
Ab -5° C gefroren, aber schon ab +8° C Geschmackseinbußen
Wein mit ca. 12%Vol. Alkohol und einem durchschnittlichen Extraktgehalt von ca. 28 g/l gefriert bei rund -4.7° C. Hat der Wein 14%Vol. muss es -5,7°C kalt werden.
Rolf Zimmermann, Weinanalytiker der Schweitzer Agroscope ACW, gibt jedoch zu bedenken, dass einen qualitätsmindernder Effekt schon viel früher eintreten kann: "Manche Rotweine sind nur bis + 8° Celsius kältestabilisiert" . Darunter kommt es zu den o.g. Löslichkeitsproblemen und irreversieblen Ausfällungen und Trübungen.
Da die Frachtzentren nicht durchgehend geheizt sind und die LKWs oft länger als 8 Stunden unterwegs sind, ist es daher bei Minusgraden gar nicht so unwahrscheinlich, dass es dem Wein also mal zu kalt wird.
Vor der Bestellung einen Blick auf AGB und Wetterkarte!
Was ist nun zu tun, wenn der Wein als (Eis-)wein geliefert wird? "Eigentlich ist der Absender dafür verantwortlich, dass die Ware den Adressaten ordnungsgemäß erreicht", gibt die DHL Auskunft. Bei einem Blick in die AGB vieler Lieferanten stellt man allerdings fest, dass das Transportrisiko oft auf den Besteller abgewälzt wird. Seriöse Versender haben eine Transportversicherung abgeschlossen, die sie dem Kunden gegen einen kleinen Obolus (mitunter aber auch kostenlos!) anbieten. Wem das zu teuer ist, bleibt nur der Blick auf die Wetterkarte.

Alternative: "Heatpacks"
Einen gewissen Kälteschutz bieten zwar die normalen stoßfesten Wein-Verpackungen auch, aber das Wärmepolster ist bei Minusgraden schnell verpufft. Wer sicher gehen will, sollte beim Weinlieferanten mal nach einer Methode fragen, die beim Versand von Zierfischen bereits etabliert ist: so genannte "Heatpacks". Diese "Heizkissen" geben nach Aktivierung kontinuierlich Wärme ab und schützen den Wein, wenn er zusätzlich in Styropor verpackt ist, mehr als 24 Stunden. Ein Packet würde dadurch nur um 3-5 Euro teurer werden

(ki) 
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