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Autochthone Weine als Antwort auf einen globalen Weinstil?




"Shyrah" - einer der Global-Player

Die Entstehung eines globalen Weinstils

Die Zahl der Rebsorten die als "Global Player" gelten, also auf dem Weltmarkt eine bedeutende Rolle spielen, beträgt heute kaum mehr als 2 Dutzend.

 

Die Top-five dürften Chardonnay, Carbernet Sauvignon, Grenache, Syrah und Merlot sein. Kritiker bemängeln dies und befürchten eine bedrohliche Reduzierung der Geschmacksvielfalt.

 

Doch damit nicht genug: Jede dieser Rebsorten kann durch standardisierte Ausbaumethoden auf der ganzen Welt der gleiche Geschmacksstempel aufgedrückt werden. Damit, so die Kritiker, entwickele sich so etwas wie ein globaler Weinstil. Und in der Tat gibt es die so genannten "Flying Winmakers", Kellermeister mit großem Know-how, die um die Welt jetten, um dem Shiraz, in Australien den gleichen Geschmacksstempel aufzudrücken, wie dem in Südafrika, Frankreich oder Chile. Auch die technischen Möglichkeiten, wie der Einsatz von modernen Reinzuchthefen, die bestimmte Geschmacksprofile hervorrufen können, leisten dieser Vereinheitlichung Vorschub.


Qualitätsbewussten Verbrauchern sträuben sich da sicher die Nackenhaare. Doch wer das Thema nüchtern betrachtet, wird nicht umhin kommen, die Gründe für den Trend auch einmal bei sich selbst zu suchen: Fast-Food-Ketten, die überall auf der ganzen Welt Hamburger produzieren, die – egal wo man sie isst - gleich schmecken, sind auch das Ergebnis einer solchen Entwicklung. Bei aller Kritik, muss man eben bedenken: Ein Großteil der Verbraucher will offenbar genau dies - und er will es preiswert. Somit ist der Wunsch der Winzer ein Produkt zu haben, das weltweit gemocht und gekauft wird und im harten Preiskrieg noch rentabel ist, durchaus verständlich.

 



Autochthone Weine - Marketinggag oder Philosophie?

Der Verbraucher will aber auch etwas anderes: Er will - und das gilt ganz besonders für Genussmittel - gerne einen individuellen Geschmack. Genau hier setzt der Gedanke an, sich wieder mehr auf so genannte autochthone Weine zu konzentrieren. Der Begriff kommt aus dem Griechischen (autós = selbst, chthón = Erde) und meint Weine, die alteingesessen, eingeboren, also an Ort und Stelle entstanden sind. Die Idee die hinter diesen Weinen steckt ist die, dass autochthone Rebsorten an ihrem Ursprungsort über die Jahrhunderte genau die Eigenschaften ausgebildet haben, die für die Böden und das Klima der Region die richtigen sind, um einen gebietstypischen Wein hervorzubringen.

 

Bildlich gesprochen, sind autochthone Rebsorten, wie Einheimische, die einem die Geschichte der Region viel spannender und authentischer erzählen können, als die Reiseleiterin aus einem fremden Land.

 




Angebot autochthoner Weine aud der Toskana

Autochthon als neues Marketing-Schlagwort

Es liegt in der Natur der Sache, dass autochthone Weine nie eine solche Verbreitung finden werden, wie die Global- Player -Weine. Ähnlich wie Bioprodukte, können Sie einfach nicht in der Menge produziert werden. Da sich aber die Individualität gut verkauft, sind kluge Marketingstrategen inzwischen auf die Idee gekommen, dass man eigentlich auch vielen der auf der ganzen Welt im großen Stil angebauten Rebsorten einen, meist sogar zwei oder drei Entstehungsorte zuweisen kann, um sie dann flugs als autochthone Weine verkaufen zu können.

 

Aber auch eine andere Variante das Schlagwort gewinnbringend einzusetzen ist vorstellbar. Alte Reben, aus denen Winzer keinen anständigen Wein zustande bringen, vielleicht auch weil das Rebmaterial nur mittelmäßig ist, lassen sich mit dem Hinweis auf die "Gebietstypik" unter dem Stichwort "autochthon" eventuell bald recht gut verkaufen.

 

Bei all den Bestrebungen um Individualität des Geschmacks, der durch Schlagworte wie "Terroir", "Autochthon" und weitere Begriffe transportiert wird, darf man jedoch nicht vergessen, dass es auch anbautechnische und genetische Gründe hat, das bestimmte Rebsorten so sehr auf der Welt verbreitet sind. Anspruchslose, unkomplizierte Rebesorten, die über die Jahre zudem genetisch optimiert wurden, bringen einfach gute Weine hervor und sind die Züchtungserfolge der Winzer. Was entscheidend ist, ist dass der Winzer mit ihnen nicht umgeht, wie bei der Herstellung einer Limonade, sondern bestrebt ist, einen individuellen Wein zu produzieren. Letztendlich ist es das, was zählt.

 


(ki)






 
     

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