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Trends am deutschen Weinmarkt


Nach Angaben des Deutschen Weininstituts (DWI) stieg in den ersten sechs Monaten dieses Jahres das Gesamtvolumen der ausgeführten Weinmengen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,3 Prozent auf rund eine Million Hektoliter. Gewinner sind sowohl im einheimischen Markt als auch im Ausland die Rebsorten Riesling und Spätburgunder. Im Zeitraum von 2005 bis 2008 legte analog zu dieser Entwicklung insbesondere die Anbaufläche von Riesling zu. Auch unter den roten Sorten lässt sich eine leichte Verschiebung zugunsten der Rebflächen von Spätburgunder, Regent, Lemberger, Merlot, Acolon, Cabernet Sauvignon, Cabernet Mitos und Cabernet Dorsa konstatieren. Damit setzt sich ein Trend fort, der in den 1980er Jahren begann und aufgrund der guten Nachfrage für deutsche Weine im internationalen Markt die Weichen stellt.

Mit einer jährlichen Verkostung von rund 4800 Weinen und Sekten deutscher Provenienz ist die Bundesweinprämierung der DLG ein Gradmesser im Hinblick auf die qualitative Entwicklung dieser Weintrends. Hier bestätigt sich einmal mehr, dass die Qualität der vorgestellten Rieslingweine weiter auf dem Vormarsch ist. In den Jahren 2007 und 2008 gewann die edle Weißweinrebe rund 1300 Hektar Rebfläche in Deutschland hinzu. Damit nimmt die Sorte mit über 21 Prozent der Gesamtfläche eine Spitzenstellung ein. Den höchsten Anteil haben dabei die traditionellen Riesling-Regionen Rheingau, Mittelrhein, Mosel und die Hessische Bergstraße.

Mit rund 63 Prozent stehen die weißen Rebsorten in Deutschland im Vordergrund. Neben Riesling bilden dabei Grau- und Weißburgunder einen Schwerpunkt, inzwischen aber auch internationale Sorten wie Chardonnay oder Sauvignon Blanc. Die traditionellen Bukettsorten finden zunehmend Verehrer im hochwertigen Sortiment der Edelsüßen. Hier brachte der Jahreswechsel 2008/2009 jene Bedingungen, die nicht selbstverständlich sind und daher mit Spannung erwartet werden: Frostige Nächte machten an vielen Orten die begehrte Eisweinlese möglich.

Die Liga der Rotweine wird auch in den Prämierungen der DLG von der Spätburgunderrebe angeführt. Eine wichtige Rolle spielen bei vielen Weinerzeugern jene Neuzüchtungen, die sich mit Bravour in die hierzulande herrschenden Klima- und Bodenbedingungen einfügen. Dazu gehören Regent oder Acolon und die Cabernet Sauvignon-Verwandten Cabernet Dorsa und Mitos. Dornfelder, Portugieser und Schwarzriesling sind leicht rückläufig, haben jedoch noch immer ihren festen Platz im Weinkeller der deutschen Winzerbetriebe.

Ein ungebrochener Trend gilt der Nachfrage nach sogenannten Sommerweinen. Für den Anbau dieser „alkoholmoderaten Weinen“ sind deutsche Weinanbaugebiete mit ihrer Lage an der Nordgrenze des weltweiten Weinbaus trotz der klimatischen Veränderungen noch immer prädestiniert. Typische und klassische deutsche Weißweinrebsorten wie Riesling, Silvaner, Müller-Thurgau, Elbling oder Rivaner, aber auch der rote Trollinger aus Württemberg, prägen ihre charakteristische Säurestruktur am besten aus, wenn sie in kühleren Lagen wachsen. Durch die langsamere Reife bleiben ihre fruchtigen und frischen Aromen erhalten. Ob ein Wein als leicht oder schwer empfunden wird, hängt auch von seinem Gehalt an Säure, Kohlensäure und Extrakt ab. Hier wiegen die Stärken deutscher Weinanbaugebiete ebenso wie das Können des Winzers.
Zahlreiche Weinbaubetriebe sind dem Trend gefolgt und bieten heute im Rahmen ihres Gesamtsortiments einen oder zwei Weine an, deren Alkoholgehalt bei rund elf Prozent liegt.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die zu erwartenden Alkoholgrade bereits im Weinberg etwas zu drosseln und leichtere, bekömmliche Weine zu erzeugen: Dazu gehört neben der Wahl geeigneter Rebsorten die etwas frühere Traubenlese Ende September. Die Festlegung dieses Lesetermins kann insofern problematisch sein, als die physiologische Reife des Leseguts immer Voraussetzung für die hohe Qualität eines Weines ist. Mit Fingerspitzengefühl wählt der Winzer den rechten Zeitpunkt für die Ernte. In der Weinbereitung sind Gärführung und die Wahl der Hefe wichtig, wenn ein leichterer, fruchtbetonter Wein entstehen soll.

Qualitäten des Jahrgangs 2008
Das „Cool Climate“-Weinland zeigt Stärke. Trotz, oder gerade wegen eines durchschnittlichen deutschen Sommers können die Weinerzeuger zwischen Ahr, Bodensee und Saale mit dem Jahrgang 2008 rundum zufrieden sein. Gute Oechlse- und Säurewerte wurden schon während der Lese gemessen. Austrieb und Traubenblüte variieren naturgemäß in den einzelnen Anbaugebieten. Bisweilen sorgte unbeständiges Wetter im Frühjahr 2008 dafür, dass die Blüte ins Stocken geriet. Die Folge ist ein ungleiches Reifestadium der einzelnen Trauben, die durch den Winzer ausgeglichen werden kann, indem er eine sorgfältige Vorlese unternimmt.

Beste Bedingungen brachten die Sommermonate des vergangenen Jahres mit einem Mix aus Sonne, Wolken und ausreichenden Niederschlägen. Die Reben bekamen alles, was sie für die Ausbildung extraktreicher und gesunder Trauben benötigen. Wenn Sonnenanbeter vielleicht zu kurz kamen, die Rebstöcke fühlten sich wohl. Kühle Nächte im September begünstigen das, wofür deutsche Weine weltweit bekannt sind: fruchtstarke Weißweine. Ein letzter Reifeschliff ergab sich im Oktober, der zwar von gelegentlichen Schauern, aber auch von sonnigen Tagen gekennzeichnet war. Das Risiko der Fäulnisbildung ist insbesondere bei herbstlich-feuchter Witterung gegeben. Sorgfältige Selektion des Leseguts steht daher auf dem Stundenplan jedes Weinerzeugers. Wer diese Hausaufgaben gemacht hat, kann einen Jahrgang präsentieren, der hocharomatische, komplexe und mineralische Weine mit frischer bis reifer Frucht hervorbrachte.






 
     

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