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Das große Teubner Kochbuch - Eine sehr persönliche Kochbuchrezension


 

Um für ein Kochbuch 99 Euro zu investieren, muss man schon ganz besonders raffinierte Rezepte mit sehr speziellen Zutaten geboten bekommen - dachte ich und war umso überraschter, das beim "Großen Teubner Kochbuch" genau das Gegenteil der Fall war - was mich begeisterte.

 

Der erste Eindruck

Ich liebe Kochbücher und alleine der Anblick der kunstvoll angerichteten Speisen macht mir jedes Mal neu Lust, mich auch nach einem anstrengenden Arbeitstag an den Herd zu stellen, auch wenn mein Ergebnis in Punkto Aussehen, dann mit den Kochbuchfotos nicht mithalten kann. Wegen der appetitlichen Bilder besitze ich auch Kochbücher, deren Rezepte ich nie kochen werde, weil ich Gemsen, Kugelfische, seltenes sardinisches Olivenöl oder aber 10g Safran dazu benötige.

 

Das große Teubner Kochbuch schien mir zunächst auch ein Kandidat für die Rubrik: "Teures Kochbuch zum Träumen" zu sein. Umso überraschter war ich, ein klar gegliederten Rezeptband mit grundsoliden Rezepten (Wiener Kalbsschnitzel, Geflügelfrikassee, Königsberger Klopse) aber auch raffiniertes, wie Butt in roter Buttersoße (sehr einfach zuzubereiten), Möhrensuppe mit Koriander oder Hase in Schokoladensoße zu finden.

 

Die soliden Rezepte unterscheiden sich von denen anderer Kochbücher oft darin, dass kleine Tricks verraten werden (Rührei wird durch zu hohe Temperaturen zäh) oder interessante Variationen (Königsberger Klopse aus Schweine und Hähnchenfleisch) zum Ausprobieren reizen.

 

Die Rezepte

Die Auswahl der Rezepte halte ich für sehr gelungen: In den Kapiteln: Gemüse, Obst, Eier-Milch-Käse, Fisch, Meeresfrüchte, Fleische, Geflügel , Wild, Reis und Teigwaren sowie Kräuter und Gewürze, finden sich Rezepte aus der ganzen Welt, für die man (zumindest in einer Kleinstadt) alle Zutaten ohne großes Gelaufe besorgen kann - und die trotzdem authentisch schmecken. Kompliziertere Zubereitungsarten sind mitunter in Sequenzen fotografiert und viele Rezepte besitzen eine kurze informative Einleitung, die das Besondere des Rezeptes hervorhebt. An der Beschreibung der Arbeitsschritte merkt man, dass die Rezepte ausprobiert worden sind: Die Zeiten während etwas köchelt, in denen man andere Zutaten verarbeiten soll, reichen tatsächlich aus. Eine Tatsache, die bei anderen Werken wirklich nicht immer selbstverständlich ist.

 

Die Optik

Mit der gleichen Sicherheit, mit der man sagen kann, dass bei McDonalds jeder Hamburger auf der ganzen Welt gleich aussieht, kann man sagen, dass Teubner Kochbücher immer ein Augenschmaus sind. Das gilt auch für das große Teubner Kochbuch. Hinzu kommt, dass die fast 640 Seiten von vorne bis hinten mit Rezepten gefüllt sind. Es gibt keine unnötige Kräutertabelle, keine langweilige Einleitung, keine schon hundertfach gedruckte, zu kurze Lebensmittelkunde ... Kurz: Es gibt keinen überflüssigen Schnickschnack.

Bei den Bildern zu den Gerichten wurde allerdings nicht gegeizt. Der Grundfehler vieler Kochbücher, Rezepte abzudrucken und keine Fotos vom Gericht zu liefern, wird hier nicht begangen: Jedes Rezept hat sein professionelles Bild.

 

Lohnt der Kauf?

Das Vorangegangene lässt keinen Zweifel daran, dass ich persönlich sehr angetan von dem Rezeptband bin. Aber lohnt sich die Ausgabe von 99 Euro für ein Kochbuch tatsächlich für jeden? Wenn man ehrlich ist, sicher nicht. Wer nicht viel Zeit zum Kochen hat, oder auf der Suche nach einem Band deutscher Küchenklassiker ist, wird mit dem Band nicht glücklich. Menschen, denen der optische Reiz einer Mahlzeit nicht wichtig ist und denen, die ungern "experimentell" kochen, kann vom Kauf auch eher abgeraten werden. Wer Kochen nicht als Zeitverschwendung sieht, gerne auch einmal neue Varianten ausprobiert und ein etwas über den Standard herausgehendes Küchenequipment besitzt, offenbart sich in diesem Kochbuch eine große Welt optischer und kulinarischer Genüsse.

 


(ki)






 
     

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