Sie möchten sich schnell das wichtigste Basis- oder Profiwissen über Wein aneignen? Dann verwenden Sie unseren kleinen Weinführer: „In 10 Minuten zum Weinkenner“. Mit den hier präsentierten Informationen können Sie beim nächsten Geschäftsessen mitreden, oder Ihren Chef gar mit Insiderwissen überraschen. Sie erhalten die wichtigsten Informationen zum Wein in drei Wissensstufen, die aufeinander aufbauen.

  • Stufe 1: Basiswissen: Dieses Grundwissen sollten Sie – um auf einer Gesellschaft als Weinfreund akzeptiert zu werden – unbedingt verinnerlicht haben.
  • Stufe 2: Wissen des Weinfreundes: Wollen Sie Weinfreunden gar „imponieren“, greifen Sie auf diese Informationen zurück.
  • Stufe 3: „Nähkästchenwissen“: Vorsicht, wenn Sie diese Informationen auf einer Gesellschaft preisgeben, aber Stufe 1 und 2 nicht aus dem Effeff beherrschen, reicht ein einziger Weinfreund, um Sie als „Semiprofi“ zu entlarven.
Infotipp:
Sie können dieses Merkblatt auch als kleinen Führer im PDF-Format herunterladen. [Download als pdf-Datei]

 

Stufe 1: Basiswissen
 Qualität Deutscher Wein wird in vier Qualitätsstufen unterteilt: Tafelwein, Landwein, Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (Q.b.A.) und Qualitätswein mit Prädikat (QmP) (Prädikat, z. B.: Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese). Zu wichtigen Anlässen greift man in der Regel ausschließlich auf Qualitätsweine zurück.
 Weinanbaugebiete Heute gibt es in Deutschland 13 Weinanbaugebiete. Nach der Wende kamen zu den damaligen 11 Gebieten Saale-Unstrut und Sachsen dazu.
 Rebsorten Die wichtigsten weißen deutschen Rebsorten sind Riesling, Müller-Thurgau und der Silvaner. Die wichtigsten roten Reben sind Spätburgunder, Dornfelder und Portugieser.
 Etikett Der Name der Rebsorte und des Jahrganges muss nicht zwangsläufig auf dem Etikett stehen. Es ist erlaubt, verschiedene Reben zu mischen (Verschnitt oder feiner: Cuvée), was durchaus einen besseren Wein ergeben kann. Das Mischen von verschiedenen Jahrgängen ist eher unüblich.
 Wein und Essen

Im Prinzip gilt: Heute ist (fast) alles erlaubt. Als innerer Leitfaden sollte Ihnen vorschweben, zwischen Speise und Wein eine harmonische Verbindung herzustellen. Falls das einmal nicht gelingt: die Flucht nach vorne antreten und zugeben, dass die Kombination gewagt ist.

Möglichst vermeiden: Spargel oder Hühnerfrikassee und Rotwein, Wild und Weißwein.

 Bei Tisch Wenn Sie den Wein bei Tisch prüfen sollen:

  • Ruhe bewahren.
  • Erst daran „schnuppern“: Der Wein sollte keinen Korkton aufweisen.
  • Nippen, Wein etwas im Mund rotieren lassen und dann schlucken. Der Wein sollte keinen kratzigen oder muffigen Nachgeschmack hinterlassen.
 Gesundheit Rotwein – in Maßen genossen, ungefähr ¼ l pro Tag – schützt vor Herzerkrankungen (French Paradoxon). Vermutlich sind es Polyphenole, die diesen Effekt haben.

 

Stufe 2: Wissen des Weinfreundes
 Qualität Neben den gesetzlichen Qualitätsstufen etablieren sich langsam auch neue Typenbezeichnungen, die für einen bestimmten Geschmackstyp stehen sollen. Die bekanntesten Typen sind Selection (trocken ausgebaute Weine aus gebietstypischen Rebsorten, ab ca. 6 Euro) und Classic (Weine aus gebietstypischen Rebsorten von gehobener Qualität).
 Weinanbau Das kleinste deutsche Weinanbaugebiet ist das Stargarder Land in Mecklenburg-Vorpommern (3,7 ha). Es handelt sich um ein Tafelweinanbaugebiet, dass 2004 nach einer Änderung der Weinverordung anerkannt wurde. Danach folgen Sachsen (ca. 449 ha) und die Hessische Bergstraße (452 ha). Die größten Anbaugebiete liegen in Rheinhessen (ca. 26.300 ha) und der Pfalz (ca. 23.400 ha).
 Rebsorten Typische Weine aus den 13 Weinanbauregionen:
Rheinhessen: Müller-Thurgau, Silvaner, Dornfelder, Riesling, Kerner, Bacchus
Pfalz: Riesling, Müller-Thurgau, Dornfelder, Portugieeser, Kerner
Baden: Spätburgunder, Müller-Thurgau, Gutedel, Grauburgunder
Württemberg: Trollinger, Riesling, Schwarzriesling, Lemberger
Franken: Müller-Thurgau, Silvaner, Bacchus
Mosel-Saar-Ruwer, Nahe, Rheingau, Mittelrhein, Hess. Bergstraße: Riesling
Saale-Unstrut, Sachsen: Müller-Thurgau
Ahr: Spätburgunder, Portugieser
 Etikett
  • Folgenden Daten müssen zwingend auf dem Weinetikett angegeben sein:

a) Qualitätsstufe
b) Name des Anbaugebietes
c) Höhe des Alkoholgehalts
d) Menge des Flascheninhaltes
e) Abfüller

Bei Q.b.A.-Weinen muss auch die amtliche Prüfnummer angegeben sein.

 Wein und Essen Grundregeln für die Weinwahl zum Essen:

  • Sauer + Sauer = Sauer² (die Säure von Gericht und Wein multipliziert sich).
  • Scharfes Essen – aromatisch-fruchtiger Wein (Riesling, Gewürztraminer).
  • Zu scharf angebratenem Fleisch eher kräftigen Rotwein.
  • Zum Dessert passen edelsüße Weine (Eiswein, Beerenauslesen).
  • Beim „Selber-Kochen“: Keinen billigen Kochwein ins Essen. Das was auf den Tisch kommt, ist gerade gut genug für den Kochtopf!
 Bei Tisch Wann kann man den Wein zurückgehen lassen?

  • Wenn ein eindeutiges Fehlaroma (Korkton, Essigstich) vorliegt.
  • Der Rotwein zu warm oder deutlich zu kalt bzw. der Weißwein zu warm ist.
  • Der Korken (sofern mitpräsentiert) Schimmel aufweist.
 Gesundheit Nach den Rotweinen hat man inzwischen auch Verbindungen im Weißwein gefunden, die das Herz-Kreislauf-System schützen.

 

 Stufe 3: Nähkästchenwissen
 Qualität

„Großes Gewächs, Erstes Gewächs, Erste Lage“: Diese drei Bezeichnungen stehen für regionaltypische trockene Spitzenweine, die in besonderer Ausstattung auf den Markt kommen.

„Deutsches Güteband Wein“: Wer sich für einen Güteband-Wein entscheidet, kann sicher sein, dass die Trauben aus umweltschonendem Anbau stammen, dass sie sorgsam verarbeitet wurden, der Wein optimal gelagert ist und in einer sensorischen Endprüfung nach Aussehen, Geruch, Geschmack und Gesamteindruck bewertet wurde.

 Weinanbau Weine von Winzergenossenschaften sind besser als ihr Ruf: In Winzergenossenschaften hat man für alle Stufen der Weinerzeugung einen Profi. Sie können sich außerdem schnell auf Geschmackstrends einstellen. In Deutschland kommt fast jeder dritte Wein von einer Winzergenossenschaft. In Italien sind es sogar 50 %.
 Rebsorten Newcomer bei den Rebsorten sind bei den weißen Reben: Weißburgunder und Chardonnay (weltweit die bedeutendste Traube). Bei den roten Reben sind es: Dornfelder (boomt immer noch, mitunter zulasten der Qualität), Regent (Pilzresistent, weniger Spritzmittel), Saint Laurent (eignet sich sehr gut für Cuvées), Domina (tiefdunkle Traube – hier ist nicht nur der Name ungewöhnlich).
 Etikett Freiwillig auf dem Etikett ist die Nennung der Rebsorte (die angegebene Rebsorte muss nur zu 85 % im Wein enthalten sein) und des Jahrgangs (auch hier muss nur 85 % des Weines aus dem genannten Jahr stammen).
 Wein und Essen
  • Um den Eindruck der Süße oder der Gewürze zu verstärken, zu einem alkoholreichen Wein greifen.
  • Gerichte, die viele Bitterstoffe enthalten, sind in Verbindung mit gerbstoffhaltigen, alkoholreichen Weinen bekömmlicher.
  • Süße Weine mildern den bitteren Geschmackseindruck einiger Speisen.
  • Stark fetthaltige Speisen verlangen nach gerbstoff-, säure und alkoholreichen Weinen.
  • Bei sehr salzigen Gerichten bedenken, dass dieses die Wahrnehmung von Aroma und Bitterstoffen steigert.
  • Stark kohlensäurehaltige Weine schmecken zum Essen oft süßer als sie tatsächlich sind.
 Bei Tisch Der Korken, der beim Verkosten manchmal dazugereicht wird, dient als Dokumentation dafür, dass der Wein auch tatsächlich vom angegebenen Produzenten stammt. Er sollte von unten nass sein (liegende Lagerung). Sie können auch daran schnuppern, um sich zu vergewissern, dass kein Fehlaroma vorliegt.
 Gesundheit

Leider ist es nicht nur der Wein, sondern der gesamte Lebensstil, dem die Weintrinker ein längeres Leben verdanken. Weintrinker essen nämlich auch gesünder als Bier- oder Whisky-Trinker. Besonders der Verzehr von Obst ist bei Weinfreunden höher, während der Verzehr von (ungünstigem) gesättigtem Fett im Vergleich deutlich geringer ausfällt.

Ein altes deutsches Sprichwort sagt: Es gibt mehr alte Weintrinker als alte Ärzte.

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