Die Balance zwischen dem natürlichen Restsüßegehalt, der erfrischenden Säure und den Gerbstoffen eines Weines findet besondere Bedeutung bei der Kategorie der halbtrockenen und lieblichen Weine. In dieser Disziplin zeigen deutsche Weine große Stärken, denn die hohe physiologische Reife des Traubenguts fördert vor allem die Frucht- und Aromenausbildung, die feine Spät- und Ausleseweine, aber auch Kabinett- und Qualitätsweine prägt und zu außergewöhnlichen Spezialitäten macht. Deutsche Weißweine genießen das Privileg, in guten Weinjahrgängen mit jener geschmacklichen Ausgewogenheit brillieren zu können, die in heißeren Klimazonen in dieser Form nicht entstehen kann.

Die Weingesetzgebung regelt die Geschmacksangabe, beziehungsweise den Süßegrad, mit folgender Festlegung: Halbtrockene Weine dürfen pro Liter maximal 9 bis 18 Gramm unvergorenen Zucker enthalten, dabei soll der Zucker nicht mehr als 10 Gramm pro Liter über dem Säuregehalt liegen.

Diese Weinkategorie zeichnet sich durch eine schmeckbare, aber dezente Süße aus, sie kann jedoch im Spiel mit einer kräftigen Säure durchaus auch trocken wirken. Für liebliche Weine gilt nach deutschem Weingesetz ein Restzuckergehalt von 18 bis 45 Gramm pro Liter. Hierbei handelt es sich um eine deutlich süße Geschmacksausrichtung.

Nachdem sie noch vor zwei Jahrzehnten im Trendbarometer relativ weit unten lagen, finden halbtrockene und liebliche Weine in den letzten Jahren zunehmend wieder Verehrer. Das Image des „einfach nur süßen“ Weines konnte durch die tatsächliche Qualitätssteigerung, die genau jene feine Aromenbalance berücksichtigt, aufgewertet werden. Die Zahl der Anstellungen zur aktuellen Prämierung bestätigt den Imagewandel, den viele Winzer auch auf Wunsch ihrer Kunden umsetzen. Für den halbtrockenen Ausbau eignen sich alle weißen Sorten, die vom filigranen, belebenden Riesling bis zum würzig-pfeffrigen Muskateller die gesamte Bandbreite der Möglichkeiten aufzeigen, die deutsche Anbaugebiete hervorbringen können. Das positive Image der „Halbtrockenen“ wird gestärkt durch ihr Talent als Speisebegleiter: Hier lassen sich köstliche Kreationen entdecken, entweder mit so genannten analogen Aromen aus Desserts und Fruchtcocktails, oder im Kontrast zu Ziegenfrischkäse mit Akazien-Lavendel-Honig, Munsterkäse oder Parmaschinken.

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