Weinatlas Deutschland

weinatlas

Ein besonderes Leseschmankerl für Weinkenner ist der „Weinatlas Deutschland“, eines der umfangreichsten Referenzwerke zur Weinlandschaft in Deutschland. Interessant an dem Werk ist, dass die Autoren den Schritt gewagt haben, die Lagen auf Basis einer vierstufigen Qualitätshierarchie wie im Burgund oder dem Médoc zu klassifizieren.

Bewertungshilfe aber kein Einkaufsführer

Um es gleich vorweg zu sagen: Der Weinatlas ist leider nur noch im Antiquariat und deshalb seltener und vor allem auch ein wenig preisintensiver zu erwerben. Für Freunde preiswerter Tropfen also eher uninteressant. Wer aber Spaß an den reichen Facetten des deutschen Weines hat und auch bereit ist, einmal tiefer in die Tasche zu greifen, für den könnte der Weinatlas eine willkommene Hilfe sein.

Motivation und Ausgangspunkt für die Autoren einen Weinatlas zu veröffentlichen, ist das seit 1971 gültige „neue“ deutsche Weinrecht, durch dessen Neuordnung viele Spitzenlagen und zweitklassige Flächen mit dem Ziel der Vereinfachung zusammengelegt wurden. Ein Fehler, wie die Autoren finden. Sie entwickelten daher, angelehnt an die Klassifikationsmodelle im Burgund und dem Médoc eine eigene Einteilung der Lagen: in besonders privilegierte Lagen, privilegierte Lagen, gute Lagen und weitere Rebflächen (siehe Infokasten).

Aufbau des Atlanten

Im Einleitungsteil des Atlanten werden zunächst all die Faktoren beschrieben, die einen Weinberg besonders machen. Dabei wird, wie übrigens im gesamten Werk, eine klar verständliche Sprache gebraucht, die frei von der sonst oft so blumigen Winzersprache ist.

Es folgt ein kleiner geschichtlicher Abriss, der die Historie der Klassifizierung deutscher Weine verdeutlicht und erklärt.

Im Hauptteil des Werkes findet sich die Vorstellung der 13 deutschen Weinanbaugebiete, mit einer Benennung der besten Lagen. Dieser Teil bildet durch die 50 Detail- und 17 Übersichtskarten auch das Herzstück des Weinatlanten. Auf den Detailkarten sind die einzelnen Lagen in die vier oben genannten Qualitätsstufen eingeteilt. Dabei ist den Autoren klar, dass eine Spitzenlage eine notwendige, aber eben keine zwingend ausreichende Bedingung für Spitzengewächse ist. Trotzdem halten sie eine solche Klassifikation für sinnvoll, um beispielsweise unterscheiden zu können, welche Lagen gerade so einen guten Wein hervorbringen können und welche Lagen so ausgezeichnet sind, dass auf ihnen über Jahrzehnte hinweg hervorragende Weine erzeugt werden können.

Fazit

Der Weinatlas stellt für Freunde des deutschen Weines ein herausragendes Referenzwerk dar. Man traut sich, einen neuen Weg bei der Klassifizierung zu gehen, der sicher diskussionswürdig aber für Freunde hochwertiger Weine aus Spitzenlagen eine große Hilfe ist. Auch für den fortgeschrittenen Weinfreund bietet der Atlas eine gute Orientierungshilfe. Nicht zuletzt macht es auch einfach Spaß, sich die Lagenvielfalt in Deutschland einmal so detailliert anschauen zu können.

Neue Wege bei der Qualifizierung deutscher Weine
Durch das seit 1971 gültige „neue“ deutsche Weinrecht wurden viele Spitzenlagen und zweitklassige Flächen mit dem Ziel der Vereinfachung in einer Neuordnung zusammengelegt. Ein Fehler, wie die Autoren finden, da die Güte der Einzellagen so nun nicht mehr über das Etikett erfassbar ist. Während in anderen europäischen Ländern die geografische Herkunft des Weines für die Qualitätseinteilung herangezogen wird, ist in Deutschland das Mostgewicht maßgeblich für die Einstufung eines Weines. Damit stehen in Deutschland theoretisch jedem Winzer alle Qualitätsstufen offen.

Der Weg des VDP
Einen anderen Weg geht seit einiger Zeit bereits der Verband der Prädikatsweingüter (VDP) mit ihrer Einteilung der Weine in eine Qualitätspyramide, die „Guts- oder Ortsweine“, „klassifizierte Lageweine“ und VDP-Weine aus „Erster Lage“ unterscheidet. Durch diese Klassifikation wird der Blick wieder vermehrt auf die Qualität der Weinbergslagen gerichtet. Das geht den Autoren des Weinatlanten aber noch nicht weit genug, da die VDP-Klassifikation zum Beispiel lediglich den VDP-Mitgliedern vorbehalten ist. Auch sind die „großen Gewächse“ der ersten Lagen nach geltendem Weinrecht lediglich einfache Qualitätsweine, die theoretisch angereichert werden dürften. Ein Sachverhalt, der dem Käufer schon ein hohes Vertrauen in den Winzer abverlangt.

Vorbild Burgund
Die Autoren haben für den vorliegenden Weinatlas daher, angelehnt an die Klassifikationsmodelle im Burgund und dem Médoc, eine eigene Einteilung der Lagen entwickelt, die sie in „besonders privilegierte Lagen“, „privilegierte Lagen“, „gute Lagen“ und „weitere Rebflächen“ einteilen. Grundlage für die Bewertung der Lagen sind Informationen zu diesen, die die Autoren von den Winzern, Weinhändlern, über die Wertschätzung der Weine auf dem Markt und natürlich durch eigene Verkostungen zusammengetragen haben.

Letzte Beiträge