Deutsche Weine gehören in Asien zu den teuersten Weinen im Durchschnittspreis und genießen Anerkennung für die besonders gute Qualität. Noch führen sie mit einem Anteil von gerade einmal einem Prozent an den Importweinen in den asiatischen Märkten ein Nischendasein. Doch das Interesse an Riesling & Co. wächst rasant. Manuela Liebchen, Projektmanagerin Asien am Deutschen Weininstitut Mainz (DWI), berichtet von einem spannenden Markt mit Wachstumspotenzial.

„Warum sind deutsche Weine auf dem asiatischen Markt so erfolgreich?“

Manuela Liebchen, Deutsches Weininstitut: „Der asiatische Markt steht für viele unterschiedlich entwickelte Einzelmärkte, die insgesamt als zukünftige Konsumentenmärkte ein hohes Wachstumspotenzial bieten, wenn man an die Bevölkerungszahlen und den Pro-Kopf-Verbrauch von Wein denkt, der teilweise bei unter einem Liter pro Jahr liegt.

Japan und Hong Kong beispielsweise sind gereifte Weinmärkte, in denen sich die Weintrinker schon sehr detailliert mit Wein auseinandersetzen und ein hohes Fachwissen besitzen. Der Wettbewerb ist hier aber auch sehr anspruchsvoll. Korea und Singapur gehören ebenfalls zu den Märkten, die für unsere Erzeuger interessant sein dürften. Seit zirka fünf Jahren ist auch der Weindurst in China ungebremst. Und: Würde Indien seine Importhürden abschaffen, dann gäbe es nicht mehr genug Wein. Die beiden letztgenannten Länder verfügen übrigens über eigenen, sehr stark expandierenden Weinbau.

In allen asiatischen Märkten sind zurzeit noch Rotweine beliebter. Mit der Entwicklung vernünftiger Infrastrukturen bei den Händlern und den Restaurants, die eine Kühlung der Weißweine sicherstellen, kommen aber auch diese immer mehr auf den Tisch. Wir haben eine Reihe sympathischer Erzeuger, die regelmäßig nach Asien reisen, um ihre Weine vorzustellen und zu bewerben. Die Vielfalt unserer Rieslingweine von trocken bis edelsüß bietet für jeden asiatischen Gaumen etwas.“

„Welche Weinstilistik bzw. Geschmacksrichtung von Weinen bevorzugt man in China und welche in Japan?“

DWI: „China ist ein riesiges Land, das natürlich regional unterschiedliche Geschmackspräferenzen hervorbringt. Die Farbe Rot steht nicht nur als Glücksfarbe, man spricht dem Rotwein auch gesundheitsfördernde Eigenschaften zu. Daher fallen zirka 85 Prozent des Konsums auf den Rotwein. Im Norden bevorzugt man trockenere und kräftigere Weine als im Süden. Weißweine kommen so langsam in Fahrt und edelsüße Raritäten werden als Geschenke vergeben. Der höchste Konsum spielt sich natürlich in den Metropolen Shanghai, Guangzhou, Shenzhen, Beijing und Fujian ab, jedoch gibt es sehr viele Millionenstädte im chinesischen Hinterland, die nun ebenfalls Interesse für Wein entwickeln. Wein trinken gehört zu einem Statussymbol. Zum Beispiel bei Geschäftsessen möchten Chinesen gern zeigen, dass sie westlich orientiert sind. Da wird vom Chef auch einfach einmal der teuerste Wein auf der Karte bestellt und allen „Mittrinkenden“ muss dieser dann schmecken.

In Japan liegt der Anteil an Rotweinen bei etwa 65 Prozent. Die Städte Tokyo und Osaka geben die Trends an. Geschmacklich trockene Weine sind sehr populär, wobei auf dem Lande auch restsüße Weine beliebt sind. Während noch vor zehn Jahren die Weine gar nicht genug Alkohol haben konnten, ist mittlerweile wieder eine Tendenz zu leichteren Weinen zu erkennen.“

„Welche Rebsorten schätzt man am meisten?“

DWI: „Bei den Roten sind Merlot, Cabernet-Sauvignon und Pinot Noir angesagt. Bei den weißen Rebsorten spielen Sauvignon-Blanc, Chardonnay und Pinot Gris in Asien die Hauptrolle. Riesling ist aber definitiv die Rebsorte, die man in Asien unmittelbar mit Deutschland verbindet und die zunehmend nachgefragt wird. Die Balance, die unsere Weine bieten, ist einzigartig und wird hoch geschätzt.“

„Werden deutsche Weine ausschließlich in gehobenen Restaurants oder auch zuhause zu privaten Anlässen gereicht?“

DWI: „Deutsche Weine liegen preislich über den Segmenten, die sich gut im Supermarkt verkaufen lassen und sind selten in den Convenience-Stores und Supermärkten zu finden. Sie werden entweder über Fachgeschäfte, Kaufhäuser, online oder Restaurants vertrieben. Diejenigen, die deutsche Weine in Asien kaufen, gehören entweder zu der Schicht ausgesprochener Weinkenner oder sie verbinden unsere Weine mit positiven Erinnerungen an Deutschland, die sie aufgrund vorheriger Reisen oder Studien gemacht haben. Besonders Frauen sind für deutsche Rieslinge offen und stellen eine wichtige Zielgruppe dar. Restsüße Varianten kommen bei Konsumenten, die den Wein für sich erst entdecken wollen, gut an, während Weinkenner trockene Rieslinge bevorzugen. Auf alle Fälle bieten die asiatischen Märkte für deutsche Weine Entwicklungspotenzial. Diese Märkte erfordern jedoch eine intensive Bearbeitung und Ausdauer von Seiten der Erzeuger.“

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