Wer bislang über wenige Erfahrungen im Umgang mit Wein verfügt, wird sich zunächst mit der Auswahl der passenden Angebote schwer tun. Tatsächlich können selbst Kenner nicht von sich behaupten, je zur perfekten Einschätzung gelangt zu sein. Doch einige Anhaltspunkte bieten Einsteigern zumindest die Möglichkeit, die Qualität der Sorte richtig einzuschätzen. Wir haben die wichtigsten Punkte für den Prozess der Bestimmung noch einmal zusammengefasst.

Die eigenen Ansprüche klären

Viele Winzer empfehlen, in einem ersten Schritt die eigene Erwartungshaltung zu klären. Je nach dem, wie groß die Erwartungen sind, kann das Prädikat „schlechter Wein“ für unterschiedliche Qualitätsstufen vergeben werden. Ein „guter Wein“ ließe sich nach oben noch von einem sehr guten und einem exzellenten Wein abgrenzen. Mit dieser Frage ist auch der Anlass zu klären, für den der Wein bereitgehalten wird. Soll der Wein etwa für einen festlichen Anlass aufgetischt werden? Handelt es sich um einen Wein, welcher zum Essen serviert wird? Abhängig davon, welche Ausrichtung sich hier erkennen lässt, variieren die eigenen Ansprüche an die Flasche deutlich. Im Voraus ist es deshalb nicht zu empfehlen, eine Entscheidung zu treffen.

Die aufgedruckte Qualität

In der Tat reicht die Aufmachung eines Weins noch nicht aus, um ein Urteil über seine Qualität zu fällen. Manch ein Unternehmen investiert große Summen in die Aufbereitung des fertigen Produkts, während der Wein selbst von minderer Qualität ist. Vom ersten Eindruck sollten sich die Kunden deshalb nicht täuschen lassen. Dennoch gleicht die Auswahl eines guten Weins keineswegs dem Lotto am Samstag. Doch viele Informationen, die auf dem Etikett zu finden sind, haben doch eine sehr große Aussagekraft über das fertige Produkt. Dazu zählen:

  • Der Jahrgang
  • Die Rebsorte
  • Die Farbe des Weines
  • Das Weingut
  • Die Qualitätsstufe
  • Die Herkunft

Eine Einordnung des Weins ist bereits auf der Basis dieser Informationen in ihren Grundzügen möglich. Viele Informationen über die geschmackliche Ausrichtung, die Art des Weins und seine individuelle Note sind bereits auf der Flasche zu finden. Darüber hinaus können sich Weinliebhaber mit der Zeit einige Stichworte aneignen, die ebenfalls Auskunft über die Qualität bieten. Dazu zählen bei Weinen des Verbands der Prädikatsweingüter die Bezeichnungen Gutswein und Ortswein, sowie die erste Lage und große Lage. Je mehr Angaben letztlich zu finden sind, desto leichter ist diese Zuordnung möglich. Sogar der Gesetzgeber schreibt einige dieser Angaben vor, die auf dem Etikett gut lesbar zu finden sein müssen.

Den Geschmack einschätzen

Weiterhin bietet sich die Gelegenheit, den Geschmack des Weins zur Einordnung zu nutzen. Wer einen Blick auf die Notizen der Verkostung wirft, kann sich dabei über die zahlreichen Noten informieren, die aus jedem Wein herausgeschmeckt werden können. Doch hier ist es nicht zu empfehlen, sich mit dem erfahrenen Gaumen eines Testers zu messen. Stattdessen müssen die eigenen Ideen und Möglichkeiten der Einschätzung weiterentwickelt werden. So ist es über die Zeit möglich, einen Schatz an Erfahrungen aufzubauen, aus dem auch im Anschluss weiter geschöpft werden kann.

Um die eigene Einschätzung im Laufe der Zeit zu schärfen, ist es außerdem von Bedeutung, zwischen verschiedenen Sorten zu wechseln. Sobald die eigenen Gewohnheiten den Konsum mehrerer Weinsorten zulassen, ist es möglich, über den Tellerrand zu blicken und neue Chancen zu erkennen. Wird die Vielfalt der gesamten Branche schon zu Beginn mit Scheuklappen betrachtet, so wird es auch in den kommenden Jahren kaum möglich sein, die eigenen Sinne dafür zu schärfen.

Ein Blick auf Preis und Leistung

Allgemein gilt es als schweirig, die Kosten des Weins mit in die Bewertung einzubeziehen. Doch dieser Wert bleibt für die Breite der Masse weiterhin bedeutsam. Tatsächlich ist ein günstiger Wein nicht unbedingt preiswert. Darüber hinaus ist auch die große Investition noch keine Garantie dafür, dass letztlich auch ein hochwertiger Wein erhalten werden kann. So bleibt es letztlich das Verhältnis von Preis und Leistung, welches den entscheidenden Beitrag zur Einschätzung des Angebots leistet.

Generell ist es möglich, Einstiegsweine von der Mittelklasse gut zu unterscheiden. Auch die gehobene Klasse, welche höhere Investitionen nach sich zieht, kann davon deutlich unterschieden werden. Wer jedoch anfänglich nicht dazu bereit ist, größere zweistellige Summen für eine Flasche auszugeben, hat dennoch die Möglichkeit, interessante Weine zu entdecken, die mit ihrem Charakter und Aroma zu überzeugen wissen.

Ein weiterer Faktor, der bei der Berechnung des Preises einbezogen werden muss, ist die jeweilige Ernte. Unter dem Strich handelt es sich um ein landwirtschaftliches Produkt, dessen Preis damit der Menge und Qualität der Ernte unterworfen ist. Ein Preis, der in einem guten Jahr für einen Wein der Oberklasse ausreicht, muss in einem schlechten Jahr womöglich für einen typischen Wein der Mittelklasse bezahlt werden.

Das richtige Bauchgefühl

Mit der Zeit wird auch das Bauchgefühl eine sehr wichtige Rolle bei der Einschätzung der Qualität der Weine spielen. Doch hier bleibt die Erfahrung die wichtige Größe, die zunächst gestärkt werden muss. Das Bauchgefühl kann dann bei der Betrachtung des Angebots zeigen, ob das Gesamtbild eines Weines stimmig ist und diese Faktoren letztlich für den Kauf sprechen. Da es letztlich auch um die Frage geht, wonach der Sinn im Moment des Konsums steht, wird der Einfluss des Bauchgefühls in diesem Bereich umso stärker.

Weiterhin spielt auch hier der Anlass neben den persönlichen Vorlieben eine wichtige Rolle. Handelt es sich um Grillfest im Sommer, so werden selbst Kenner gerne von ihrem schweren Rotwein abrücken und den Blick auf andere Alternativen richten. Zum gemütlichen winterlichen Schmökern in einem Buch werden wiederum andere Schwerpunkte gesetzt. Neben den ersten vier genannten Faktoren bleibt damit die persönliche Einschätzung aus der Dynamik der Situation eine Kenngröße, die in die Entscheidung einbezogen werden sollte.

Wo sollte eingekauft werden?

Trotz all dieser Kriterien ist natürlich auch das örtliche Angebot entscheidend für die Frage, auf welche Sorte letztlich die eigene Entscheidung ausgerichtet wird. Wer grundsätzlich nur das Sortiment des Supermarktes in Betracht zieht, wird nur selten in den Bereich der oberen Mittelklasse vorstoßen können. Dafür ist lokal ein großes Angebot der sogenannten Einstiegsweine vorhanden. Durch den Verkauf in Massen ist zudem ein nicht zu bestreitendes besseres Verhältnis von Preis und Leistung wahrzunehmen. Besonders vor der untersten Reihe der Regale sollte dabei abgesehen werden. Experten sprechen von der sogenannten „Bückware„. In der Weinecke handelt es sich hierbei um Produkte, deren Herkunft nicht genau geklärt werden kann. Auch unbeliebte Staubfänger, die nicht an den Mann zu bringen sind, befinden sich in dieser Kategorie.

Auf der anderen Seite nahm die Zahl der Vinotheken gerade in den Kleinstädten in den letzten Jahren weiter ab. Wer nun auf der Suche nach einem Wein besonderer Güteklasse ist, muss häufig eine längere Strecke fahren, um ein solches Angebot der Profis entdecken zu können. Dafür sind professionelle Weinhändler dazu in der Lage, verschiedene Optionen in der Oberklasse anzubieten, wie sie an anderer Stelle nicht verfügbar wären. Wer dafür bereit ist, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, kann hier vom Angebot sprechen, welches genau den eigenen Vorstellungen entspricht.

Der wohl größte Vorteil, der in der Vinothek vorgefunden werden kann, liegt jedoch nicht im größeren Angebot für gehobene Klassen. Darüber hinaus sind die Experten dazu in der Lage, eine individuelle Beratung anzubieten. Dabei setzen sie sich das Ziel, den Geschmack des Kunden zu fördern und zu fordern. Während hier Weine gefunden werden können, welche genau den Vorstellungen der Kunden entsprechen, werden diese im Supermarkt allein nach dem Prinzip des Zufalls entdeckt. Auch dieser Unterschied macht noch einmal deutlich, dass auch der Ort des Kaufs im Vorfeld sehr genau bedacht werden sollte, um den passenden Wein finden zu können, der für den Anlass angemessen ist.

Foto: DWI/Hartmann

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