Stefan Doktor, IHK-geprüfter Sommelier, Dozent der Deutschen Wein- und Sommelierschule, Deutscher Meister der Weinfachberater (2009) und Vertriebsleiter auf Schloss Johannisberg im Rheingau. Für den DLG Wein-Guide gibt der Weinprofi Tipps zu den Themen Weingläser, Weinpräsentation und Wein & Speisen:

Wodurch zeichnet sich ein gutes Weinglas aus?

Größe: Ein Glas soll groß genug sein, um den Wein darin schwenken zu können. Beim Befüllen des Glases sollte darauf geachtet werden, dass das Glas maximal bis zur Hälfte gefüllt ist. So können sich die flüchtigen Innhaltstoffe im Wein freisetzen und der Wein gewinnt an Aroma-Intensität. Hier leistet auch ein langer Stiel gute Dienste und hilft uns, das Glas rotieren zu lassen. Ein bis zum Rand gefülltes Römerglas ist mit Sicherheit ein Alptraum für jeden Weinkenner.

Form & Beschaffenheit: Auch die Form ist wichtig. Um die Aromen aus dem Glas nicht allzu schnell zu verlieren, soll sich das Weinglas zum Rand hin verengen. Ein gutes Gegenbeispiel ist ein altmodisches, geschliffenes Kristall-Glas, in dem ein Wein nahezu geruchslos erscheint. Ein edles, dünnwandiges Glas wie zum Beispiel das von Zalto, macht den Anschein, dass es sich mit einem Wein innig verbindet. Es erhöht das Trinkvergnügen von jedem hochwertigen Wein. Es ist immer wieder erstaunlich, wie stark sich das Bukett in solchen Gläsern verändert.

Für Sekt: Für Sekt eignen sich hohe, schlanke Gläser, bei denen das Kohlendioxid nur über eine kleine Oberfläche entweichen kann. Dabei können wir auch beobachten, wie sich im Glas Bläschen bilden. Eine lang anhaltende, aber langsam verlaufene Perlenkette ist ein Zeichen für hohe Qualität.

Worauf sollte man achten, wenn man einen Wein serviert?

Fremdgerüche: Egal ob Sie einen Wein im Restaurant genießen oder in lockerer Runde mit Freunden zu Hause: Für den Weingenuss ist jeder starke Fremdgeruch störend, ganz gleich, ob es sich um Parfüm oder um die Essensgerüche aus der Küche handelt. Der Raum, in dem man Wein serviert, soll immer frisch gelüftet sein.

Richtige Weintemperatur: Hier gibt es nach wie vor viele Vorurteile. Darüber, wie stark ein Wein temperiert werden sollte, entscheidet nicht die Farbe des Weines, sondern sein Körper. Je schwerer und kraftvoller ein Wein ist, umso mehr Wärme braucht er, um seinen Charakter zum Vorschein zu bringen. Je leichter ein Wein ist, desto kühler sollte er sein, um seine Frische zu unterstreichen. Es ist durchaus sinnvoll, einen körperreichen Weißen wie z. B. einen im Holzfass gereiften Chardonnay oder einen gereiften Riesling bei etwa 10 Grad Celsius zu servieren, also um 3 Grad wärmer, als ein leichter Weißwein. Dagegen verträgt ein leichter Spätburgunder oder Trollinger durchaus eine Stunde im Kühlschrank, bevor er auf den Tisch kommt.

Achten Sie auf die Sauberkeit der Gläser!

Bereits die geringsten Verunreinigungen können das Bukett eines Weines ruinieren! Die Spülmaschine ist dabei oft eine Falle. Reste von Spülmittel sowie Spülmaschinensalz können einen unangenehmen Geschmack im Wein verursachen. Spülen Sie Ihre Gläser mit heißem Wasser und polieren sie sie ausschließlich mit sauberen Geschirrtüchern, die keine Fusseln hinterlassen.

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