Wein war immer ein Bestandteil jüdischer Tradition und viele religiöse Zeremonien integrieren den Rebensaft. Gläubige, orthodoxe Juden trinken Weine nur dann, wenn sie koscher sind. Um sich für die Bezeichnung koscher, also „rituell rein“ zu qualifizieren, muss ein Wein bestimmte Voraussetzungen erfüllen und darf nur unter der strengen Aufsicht eines Rabbis hergestellt werden.

Zur Erzeugung von koscherem Wein sind grundsätzlich alle Rebsorten zugelassen. Die erste Traubenlese darf nicht vor dem vierten Jahr nach der Anpflanzung erfolgen. Die vorherigen Ernten können zur Weinerzeugung nicht genutzt werden.

In Israel sind die Regeln teilweise noch etwas strenger: Hier muss in jedem siebten Jahr eine Erntepause eingehalten werden. Der Anbau von anderen Früchten oder Gemüse im Weinberg ist nicht gestattet. Auch im Keller sind feste Regeln zu befolgen: Alle während der Weinerzeugung verwendeten Gefäße, Materialien oder Werkzeuge dürfen ausschließlich für die Herstellung koscherer Produkte benutzt werden.

Es gibt eine Ausnahme von der Vorschrift, dass Juden keinen Wein trinken dürfen, der von Nichtjuden hergestellt wurde: wenn der Wein erhitzt und somit zu einem so genannten Mevushal-Erzeugnis wird. Einige Winzer erfüllen diese Bestimmung durch die  Maischeerhitzung, die eine kurzzeitige Erwärmung auf 80 Grad Celsius bewirkt. So entstehen zwar fruchtbetonte, trinkreife Rotweine, die aber mit ihrem geringen Tanningehalt kaum zu komplexen und hochwertigen Weinen reifen können. Was das Herstellungsverfahren betrifft, so dürfen keine Schönungsmittel wie Gelatine als tierisches Produkt, Kasein als Milchprodukt oder Hausenblase verwendet werden, es sei denn, sie stammt von einem koscheren Fisch. Eiweiß als Schönungsmittel ist offenbar nicht ausdrücklich verboten, insofern sollten Veganer Informationen über eine eventuelle Verwendung einholen.

Ein Prozent der erzeugten koscheren Weine müssen aus symbolischen Gründen weggeschüttet werden.Heute werden in allen weinproduzierenden Ländern koschere Weine erzeugt. In Deutschland sind sie erhältlich bei verschiedenen, spezialisierten Weinhändlern. Da ihre Herstellung sehr viel aufwändiger ist, als die von „normalen“ Weinen, sind koschere Weine hochpreisiger. Koschere Weine gibt es inzwischen in verbreiteten und populären Rebsorten wie Chardonnay, Merlot oder Cabernet Sauvignon.

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