Die Welt der Rebsorten

Informationen über Rebsorten in Buchform gibt es mehr als genug. Ist es da nötig, noch ein Hörbuch zu diesem Thema auf den Markt zu bringen? Wenn es so gemacht ist wie „Die Welt der Rebsorten“, lautet die Antwort eindeutig „Ja!“.

Je beliebter der Wein und je unüberschaubarer das Angebot an Weinen aus aller Welt wird, desto mehr benötigt man als Konsument einen Anhaltspunkt, welcher Wein den persönlichen Vorlieben wohl am besten entsprechen könnte. Neben groben Festlegungen wie „Ich trinke nur spanische Rotweine“ oder dem blinden Vertrauen in die Urteilsfähigkeit der „Parkers“ und „Johnsons“ dieser Welt, setzt sich seit geraumer Zeit immer mehr die Festlegung der eigenen Geschmacksvorlieben an Rebsorten durch. Und in der Tat können Rebsorten den Charakter eines Weines wie kein anderer Faktor prägen; erst recht, wenn sie in optimalen Boden- und Klimaverhältnissen (dem richtigen Terroir) gedeihen. Diese Botschaft vermittelt das Hörbuch von Martin Maria Schwarz auf sehr informative und gelungene Art und Weise.

Auf den Spuren der Rebsorten

Auf zwei CDs werden sechs weiße (Riesling, Müller-Thurgau, Weißburgunder, Savagnin, Chardonnay , Sauvignon Blanc) und neun rote Rebsorten (Spätburgunder, Gamay, Syrah, Grenache, Merlot, Carbernet Sauvignon, Tempranillo, Nebbiolo, Sangiovese) vorgestellt. Dazu hat sich der Autor auf den Weg quer durch Europa gemacht, um in den typischen Anbaugebieten der einzelnen Rebsorten, die Winzer zu ihren Weinen zu befragen. Die Originaltöne wurden übersetzt und durch wirklich sehr gute Kommentare von Ernst Heinrich Rühl, einem Professor für Rebzüchtung an der Forschungsanstalt Geisenheim, in passender Weise ergänzt. Den verbindenden Rahmen zwischen den Rebsorten schafft der Autor selbst.

Das CD-Highlight: Die Originaltöne

Das Hörbuch ist sehr informativ, sodass sich ein mehrmaliges Anhören lohnt. Auch vergleichbare Bücher können natürlich wiederholt gelesen werden. Das Hörbuch hebt sich aber ganz klar durch die Originaltönen der Winzer ab, die wieder einmal verdeutlichen, warum es um das internationale Ansehen der eigentlich doch sehr guten deutschen Wein so bescheiden steht. Hört man die Franzosen, Spanier und Italiener über ihren Wein reden, springt eine Riesenwelle der Leidenschaft und Euphorie über die Qualität ihrer Gewächse über. Bei den deutschen Winzern hat man oft das Gefühl, dass sie ihre Weine entschuldigen, so zum Beispiel den Müller-Thurgau dafür, dass er einmal ein Massenwein war. Auch wenn die Sprache von international anerkannten Spitzenrebsorten wie dem Riesling ist, hört man aus unserem Land lediglich Adjektive wie „angenehm“ oder „interessant“. Die europäischen Kollegen sind da weniger bescheiden und geraten schon beim zweiten Satz derart ins Schwärmen, dass man geneigt ist, sofort einmal einen Grenache oder Tempranillo zu probieren.

Eine runde Sache!

Insgesamt ist die CD sehr professionell gemacht und wird durch kleine Exkurse zu Themen wie „Die Reblaus“ oder dem Vorteil alter Weinstöcke noch einmal aufgewertet. Auch das 26-seitige Booklet hat noch einige zusätzliche Infos zu bieten, die fast sogar eine dritte CD wert gewesen wären. Fachlich stimmt, bis auf einige kleine „Ausrutscher“ (nicht Müller-Thurgau, sondern Riesling ist die meistangebaute deutsche Rebsorte) alles. So verwundert es auch nicht, dass das Werk für die Liste der besten Sach-Hörbuch-CD 2004 des WDRs nominiert wurde.

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